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Ammoniak-Emissionsfaktoren für die Haltung von Mastschweinen

Ammoniak-Emissionsfaktoren auf der Basis der TA-Luft von 2002

Für Ausbreitungsrechnungen von Ammoniak-Emissionsrechnungen werden seit 2002 die Werte aus der TA-Luft verwendet. Die TA-Luft hat den Wert auf der Basis der Ergebnisse von Untersuchungen festgelegt. Dabei wurde davon ausgegangen, dass 2,5 Schweine pro Tierplatz pro Jahr mit einer durchschnittlichen Gewichtszunahmne von 700 g pro Tier pro Tag erreicht werden, wodurch ca. 13 kg Stickstoff als Ausscheigung anfallen.  Der Ammoniak-Emissionsfaktor wurde auf dieser Basis in der TA-Luft mit 3,64 kg Sticktoff pro Tierplatz festgelegt

Stickstoff in der Gülle und Ammoniak-Emissionen

Für die Prüfung, wieviel Fläche zur Ausbringung der anfallenden Gülle nötig ist, werden in der Regel Stickstoff und Phosphor-Anfall pro Tierplatz geschätzt. Sie LMS-Agrarberatung hat dafür eine Excel-Anwendung erstellt und lange Zeit auch im Netz zur Verfügung gestellt. Dort wird davon ausgegangen, dass mit 30 % Stallverlusten zu rechnen ist und 70 % des Stickstoffs über die Gülle auf die Flächen gelangt. Es werden Kalkulationen für 2 Fütterungsregime (Standard und N-/P-reduziert und 2  Mastformen (700 g Gewichtszuwachs / 210 kg Gesamtzunahme und 800 g Gewichstszuwachs / 240 kg Gesamtzuwachs) für Mastschweine von 28 kg auf 118 kg bereitgestellt. Für Standardfutter werden 11,9 kg Stickstoff pro Tierplatz pro Jahr bei 700 g tägliche Zunahme / 210 kg Gesamtzuwachs und 13,6 kg bei 800g Tageszunahme / 240 kg Gesamtzunahme angesetzt.  Für N-/P-reduzierte Fütterung und 700 g tägliche Zunahme / 210 kg Gesamtzuwachs werden 9,8 kg Sickstoff pro Tierplatz und für 800g Tageszunahme / 240 kg Gesamtzunahme 11,2 kg Stickstoff angesetzt.

Die neue Dünneverordnung plant die Änderung der Haltungsbedingungen und differenziert die Fütterung stärker. Die nachfolgende Tabelle wurde mir von der LMS-Agrarberatung im September 2015 zur Verfügung gestellt.

 

Kategorie 

Produktionsverfahren 

Nährstoffanfall je Jahr 

 

 

 

kg N 

kg P2O5

 

Schweinemast  

je Mastplatz und Jahr 

1.

Mastschwein; von 28 bis 118 kg LM 

700 g Tageszunahme; 210 kg Zuwachs 

Standardfutter 

11,1

4,8 

2.

N-/P-reduziert 

10,7 

4,1 

3.

stark N-/P-reduziert 

9,6 

3,7 

4.

750 g Tageszunahme; 223 kg Zuwachs 

Standardfutter 

11,4 

4,8 

5.

N-/P-reduziert 

10,9 

4,1 

6.

stark N-/P-reduziert 

9,8 

3,9 

7.

850 g Tageszunahme; 244 kg Zuwachs 

Standardfutter 

12,2 

5,0 

8.

N-/P-reduziert 

11,7 

4,4 

9. 

stark N-/P-reduziert 

10,6 

3,9 

10.

950 g Tageszunahme; 267 kg Zuwachs 

Standardfutter 

12,5 

5,0 

11.

N-/P-reduziert

12,0

4,4

12.

stark N-/P-reduziert 

10,8 

3,9 

In der neuen Düngeverordnung werden die Stickstoffwerte niedriger angesetzt als der bisherigen. Dem Wert von 11,1 kg entsprach bisher ein Wert von 11,9 kg. Die bisherige Kategorie N-/P-reduziert mit 9,8 kg enspricht am ehesten der Kategorie stark N-/P-reduziert mit 9,6 kg (Zeile 3).

Die Kategorie 800g Zuwachs / 240 kg Gesamtzunahme gibt es nicht mehr, sie ist mit der Kategorie 850 kg / 244 kg am ehesten vergleichbar. Für die 244 kg werden bei Standard-Fütterung noch 12,2 kg Stickstoff angesetzt, für die 240 kg waren es bisher 13,6 kg. Für N-/P-reduzierte Fütterung sinkt der Wert von 11,2 kg auf 10,6 kg.

 

Probleme der Richtwerte

Die Werte dienen als Grundlage für Abschätzung der anfallenden Stickstoffmengen. Sie geben zwar vor, wieviel  Fleisch pro Tierplatz in die Berechnung eingeht, das wird aber dann bei den weiteren Berechnungen nicht mehr berücksichtigt. So wird das Endgewicht einer Mast von 28 kg auf 118 kg  bei 950 g durchschnittlicher täglicher Zunahme nach ca. 95 Tagen erreicht. Für 270 kg Gesamtzunahme (3 Durchgänge pro Jahr) belegt den Tierplatz dann an 285 Tagen. Was geschieht an den verbleibenden 80 Tagen auf dem Tierplatz?

Es ist offensichtlich, dass mit diesen Werten die anfallende Stickstoffmenge unterschätzt wird.

Ammoniakemissionsfaktoren auf der Basis der neuen Dünneverordnung

Wenn  man davon ausgeht, dass 30% des anfallenden Stickstoffs als Ammoniak durch die Lüftung der Ställe in die Luft geblasen werden, können für die Werte der neuen Düngeverordnung Ammoniakemissionsfaktoren berechnet werden.

Ammoniak-Emissionsfaktoren nach neuer Düngeverordnung  (Mastschwein; 28kg-128kg)
  Tages- zunahme(g)/ Zuwachs(kg)/ Tiere (Jahr) Mast- plätze N kg/ Tierplatz N kg/ Zuwachs kg Stall- verluste N-Netto/ Tierplatz N-Verlust (Ammoniak)( Tierplatz Ammoniak-Emissionsfaktor pro Platz/ kg pro Jahr
1 standard 700 1 11,1 0,052857 0,3 7,770 3,330 3,330
2 N-/P-reduziert 210 1 10,7 0,050952 0,3 7,490 3,210 3,210
3 stark N-/P-reduziert 2,33 1 9,6 0,045714 0,3 6,720 2,880 2,880
4 standard 750 1 11,4 0,051121 0,3 7,980 3,420 3,420
5 N-/P-reduziert 223 1 10,9 0,048879 0,3 7,630 3,270 3,270
6 stark N-/P-reduziert 2,48 1 9,8 0,043946 0,3 6,860 2,940 2,940
7 standard 850 1 12,2 0,050000 0,3 8,540 3,660 3,660
8 N-/P-reduziert 244 1 11,7 0,047951 0,3 8,190 3,510 3,510
9 stark N-/P-reduziert 2,71 1 10,6 0,043443 0,3 7,420 3,180 3,180
10 standard 950 1 12,5 0,046816 0,3 8,750 3,750 3,750
11 N-/P-reduziert 267 1 12,0 0,044944 0,3 8,400 3,600 3,600
12 stark N-/P-reduziert 2,97 1 10,8 0,040449 0,3 7,560 3,240 3,240

Wenn nach der neuen Düngeverordnung die direkten Stickstoffeinträge für die Flächen berechnet werden, müsste man mindestens die sich daraus ergebenden Emissionsfaktoren für Ausbreitungsrechnungen von Ammoniakemissionen verwenden.

Einfach ist es aber auch, den Stickstoff pro produziertem kg Fleisch zu bestimmen und die Ammoniakmenge daraus zu bestimmen. Der geringste Wert wird für stark N-/P-reduzierte Fütterung mit 950 g täglicher Gewichtzunahme (Zeile 12) mit 40,449 g Stickstoff pro kg Zuwachs erreicht.
In Suckwitz sollen 3,3 Tiere pro Jahr gemästet werden, was bei Mast bis 118 kg 297 kg Zuwachs pro Jahr und Mastplatz entspräche. Die Tiere würden die 118 kg in 95 Tagen oder 13 Wochen und 4 Tage erreichen. Das ergäbe 12,028 kg Stickstoff und einem Emissionsfaktor von 3,61 kg.

3,3 Tiere ergeben sich in Suckwitz auf der Basis eines 16-wöchigen Mastzyklus, d.h. für Mast und Reinigung stehen 112 Tage zur Verfügung. Falls 9 Tage für die Reinigung reichten, könnte der Mastzyklus auf 15 Wochen verkürzt werden und weitere 21 Tage stünden für die Mast zur Verfügung, in denen 20 kg Fleisch pro Mastplatz zusätzlich produziert werden, der Emissionsfaktor stiege auf 3,85 kg und überträfe den Wert von 3,64, der in der TA Luft angesetzt wird.

In der Stickstoffemissionsrechnung vom 14. April 2015 rechnet der Antragsteller mit einem Emissionsfaktor von 2,366 kg pro Tierplatz. Der Wert ist 38,5 Prozent niedriger als der Wert 3,85 kg. Wenn eine Anlage nach der Betriebsgenehmigung die Produktionsverfahren ändert, werden die zusätzlichen Emissionen nicht mehr auf ihre Schädlichkeit geprüft. Kein Wunder, dass die Stickstoffgehalte in unseren Grundwässern zu hoch sind!

Ich hoffe es wird eines deutlich: es braucht realistische Modelle für die Emissionsrechnungen, die die tatsächlich produzierten Fleischmengen berücksichtigen. Die vorliegenden Verordnungen helfen den Tiermästern, die anfallenden Stickstoffmengen zu verschleiern. Es ist in der Schweinemast  nicht anders als in der Autoindustrie.

 

 

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